Der Hai - das Wundermittel


"Haben Sie schon einmal einen kranken Hai gesehen?" Mit solchen und ähnlich verheißungsvollen Worten werden Arzneimittel beworben und Patienten in die Irre geleitet. So ganz nebenbei rechtfertigen die Versprechungen auch noch das Abschlachten und Verstümmeln von Haien.

Gregor Huesmann ist Apotheker. Und Buch-Autor. "Schwarzbuch Wundermittel" heißt das Werk des Marburgers. Ein Buch über die großen Versprechungen mancher Arzneimittelhersteller - oft zu Lasten schwer Kranker. Doch Huesmann greift auch eine ganz andere Befürchtung auf: Halbseidene Heilversprechen müssen als Begründung dafür herhalten, dass Haie abgeschlachtet werden.

Vier Jahre lang hat sich Huesmann mit der Firma Medisana vor Gerichten auseinandergesetzt. Streitpunkt war "Haifit", ein aus Haifischknorpeln gewonnenes Pulver, das nach Herstellerangaben morsche Knochen und Gelenke nährt.

Huesmann zitiert aus dem seinerzeitigen Beipackzettel des Mittels: "Der Hai bewohnt seit 400 Millionen Jahren in nahezu unveränderter Gestalt unsere Weltmeere und hat in dieser langen Zeit eine erstaunlich robuste Gesundheit entwickelt. Einen kranken Hai hat man so gut wie nie beobachtet, und selbst größere Wunden heilen bei ihm innerhalb kürzester Zeit."

Laut Packungsbeilage bestehe es aus Haifischknorpelpulver, Gelatine, Haferflocken und Apfelpulver, Aromastoffen, dem Säuerungsmittel Sorbit, Vitamin E sowie den beiden Enzymen Bromelain und Papain. Huesmann: "In seiner Eigenwerbung versprach das Mittel Heilwirkung für Muskeln, Gelenke und sogar bei Osteoporose und Arthritis."

In einer Pressemitteilung an die Nachrichtenagentur Associated Press (ap) habe gestanden: "Wissenschaftler aus aller Welt (vor allem Dr. William Lane aus den USA) haben in diversen Studien herausgefunden, dass besonders gerüstbildende Substanzen, spezifische Aminosäuren (z. B. Prolin), dem menschlichen Gelenkknorpel und den gewebebildenden Stoffen in der Bandscheibe biologisch ähnlich sind." Und weiter: "Diese Proteine unterstützen den Knorpelaufbau und sind unspezifisch immunanregend bei Belastung und Überanstrengung. An den Reibungsflächen der Gelenke wirken sie stoffwechselstimulierend."

Nach Ansicht Huesmanns verstoßen solche Aussagen "gegen geltendes Lebensmittelrecht". Denn "Haifit" sei nur ein Nahrungsergänzungsmittel, als rezeptpflichtiges Medikament sei es in Deutschland nicht zugelassen.

Nach Ansicht des Apothekers handele es sich bei "Haifit" tatsächlich "um ein minderwertiges Eiweißprodukt mit einem völlig überzogenen Preis: 122 Mark kostet eine Packung mit dreißig Beuteln. Wer, wie empfohlen, zwei bis drei Beutel pro Tag zu sich nimmt, investiert zwischen acht und zwölf Mark täglich in wirkungslosen Haifischknorpel."

Die Streitsache Huesmann/Medisana hatte ihren Ausgangspunkt in Huesmanns Schaufenster-Aktion "Scheiß des Monats". Dort hatte der Marburger "Haifit" an den Pranger gestellt. Die Sache war ins Fernsehen gekommen. Haifit verkaufte sich nicht mehr. Medisana hatte daraufhin auf 300.000 DM Schadensersatz geklagt. Der Bundesgerichtshof entschied 1999 zugunsten von Huesmann. Doch es war keine Entscheidung über Wirksamkeit oder Unwirksamkeit des Mittels.



Huesmanns bemerkenswertes Buch ist im Buchhandel erhältlich:


"Schwarzbuch Wundermittel",
Gregor Huesmann,
Hirzel Verlag, 17,40 €,
ISBN 3-7776-1005-4.









Weitere Informationen zur heilsamen Wirkung der Haie:

Hai-Spezial in getoese.de

Ausführlicher Hintergrund auf den Seiten des Schweizer Sharkinfo.
Direkter Link zum Text.

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