Hai-Spezial

Haibegegnung - Was tun?
Taucher- und Expertenmeinung


Um das Wissen über Haie und ihr Verständnis von Haiunfällen zu erfassen, führte das schweizer Sharkinfo im September 1998 eine Umfrage bei Sportauchern in der Schweiz und in Deutschland durch. Befragt wurden Sporttaucher und in der Ausbildung von Sporttauchern tätige Tauchlehrer. Taucher, die beruflich mit Haien zu tun haben, wurden bewusst ausgenommen. Insgesamt wurden 19 Fragen zu verschiedenen Themenkomplexen gestellt.

Den Umfrage- haben wir die Expertenmeinung gegenüber gestellt. Sie stammt von Dr. Erich Ritter. Er ist Haibiologe, Senior Scientist von Green Marine und Adj. Assistant Professor an der Hofstra University, New York.



Wissen über und eigene Erfahrungen mit Haien 28 % der Befragten sind im Wasser noch nie selbst einem Hai begegnet, trotzdem haben 42 % "etwas" und 50 % "mittlere" Kenntnisse über Haie.

"Gefährliche" Situationen mit Haien im Wasser

Fast alle Befragten halten "Blut im Wasser" - sowohl von offenen Wunden als auch von verletzten Fischen - und 58 % das "Zappeln" des Tauchers für gefährlich. Nur 14 % bezeichnen "Monatsblutung" als gefährlich. 50 % sehen im "Schwimmen an der Oberfläche" Gefahr. Gleichzeitig wurde ein "grellfarbiger Tauchanzug" (3 %) als ungefährlich angesehen. "Nervosität" wird deutlicher (19 %) als mögliches Risiko eingestuft als "hoher Puls" (6 %).

Expertenmeinung zu den Themen:
Monatsblutungen
Grellfarbiger Tauchanzug
Nervosität



Reaktion beim plötzlichen Erscheinen eines Hais

Taucher, die sich gerade im freien Wasser befinden, geben sehr verschiedene Antworten. Die meisten reagieren zumindest teilweise richtig, indem sie "ruhig" bleiben und "langsam" schwimmen. Keiner der Befragten würde auf den Hai zuschwimmen. Die Mehrzahl der Taucher sucht bei einer Haibegegnung Deckung im Riff (64 %) - falls in der Nähe.

Expertenmeinung zum richtigen Verhalten


Potentiell "gefährliche" Haiarten Wie erwartet decken sich die Antworten mit den gängigsten Ansichten der Medien und Populärliteratur. Der Weisse Hai gilt als "gefährlichster" Hai (83 %), gefolgt von Tiger- (53 %), Mako- (47 %) und Hammerhai (31 %).

Expertenmeinung zu gefährlichen Haiarten


"Gefahr" signalisierende Verhaltensmuster

Als bedrohliches Hai-Verhalten wird vor allem das "Umkreisen" (58 %), die "steife Schwanzflosse" (56 %) und das "auf den Taucher Zuschwimmen" (33 %) gesehen.

Expertenmeinung zu bedrohlichem Hai-Verhalten

Organisierte Haifütterungs-Tauchgänge

Speziell organisierte Tauchgänge mit angefütterten Haien finden 68 % der Befragten "schlecht", 17 % haben keine Meinung und nur 8 % finden sie "gut".

Expertenmeinung zu Hai-Fütterung



Kommentare?                                       Zum Seitenanfang


































Monatsblutungen als Risiko

Das Thema "Monatsblutungen als Risiko" wurde in den Tauchmagazinen schon mehrfach und meist von Ärzten - ohne jede praktische Erfahrung mit Haien - diskutiert. Mangels für Feldversuche mit Haien im Wasser zur Verfügung stehender Probandinnen konnte ich die Wirkungen von Monatsblutungen auf Haie bisher selbst nicht untersuchen. Da Haie aber in der Lage sind, auch winzigste Blutkonzentrationen im Wasser (1:10 Milliarden Teilchen!) wahrzunehmen, werden sie zweifellos auch Monatsblutungen orten können und auch darauf reagieren. Meines Erachtens bildet jedoch ein intakter Tauchanzug von 7 mm Stärke eine gute Barriere gegen eventuell ins Wasser austretende Blutbestandteile.

Will die betroffene Frau ohne Tauchanzug oder nur mit Tropenanzug bekleidet mit Haien tauchen, empfehle ich ihr, sich in der Strömung unterhalb und in angemessener Distanz zum Hai aufzuhalten. Ich gehe dabei nicht davon aus, dass der Hai die Frau nun gleich als interessante Beute sehen wird, wenn er Blutbestandteile geortet hat. Ich schliesse aber nicht aus, dass beim Hai eine erhöhte Neugier entstehen kann. Monatsblutungen sind, bei richtigem Verhalten, kein allzu grosses Problem, dürfen dennoch aber auch nicht verharmlost werden. Häufig sind während ihrer Periode tauchende Frauen - wohl aus Unsicherheit darüber, wie der Hai nun reagieren würde - zusätzlich nervöser, was ebenfalls auf Haie stimulierend wirken kann.



Kommentare?                                        Zurück zur Umfrage

































Grellfarbiger Tauchanzug

Farben, z. B. grellfarbiger Tauchanzug, und insbesondere Kontraste spielen bei Haien eine grosse Rolle und können die Neugierde des Hais wecken. Wegen des Kontrasts kann auch ein Taucher vor der hellen Wasseroberfläche attraktiv auf Haie wirken.



Kommentare?                                        Zurück zur Umfrage

































Nervosität

Sowohl Nervosität als auch erhöhter Puls bewirken eine Veränderung des elektrischen Feldes und der vom Hai wahrnehmbaren Niederfrequenz-Schallwellen, die ein Taucher aussendet. Ein hoher Puls ist - sieht man von beim Sporttauchen selteneren Anstrengungen ab - meist mit Nervosität verbunden. Haie registrieren Niederfrequenz-Schallwellen wesentlich früher als etwa bioelektrische Felder.



Kommentare?                                        Zurück zur Umfrage

































Richtiges Verhalten bei Haibegegnung

Auf den Hai zuschwimmen ist die sicherste Verhaltensweise beim Zusammentreffen mit einem Hai im freien Wasser, denn das "Wegschwimmen" kann einen "Verfolgungstrieb" des Hais provozieren. Das Zuschwimmen auf den Hai hingegen löst keinen Angriff aus, er wird wegschwimmen oder zumindest grössere Distanz suchen (sog. Outer Circle oder Äusserer Kreis). Es ist wichtig, den Hai stets im Auge zu behalten. Häufig schauen Taucher - vielleicht aus Angst - einfach weg und hoffen wohl etwas naiv, der Hai habe sie nicht gesehen. Doch er hat! Haie orientieren sich an unserem Körper und erkennen die kopforientierte Koordination, auch wenn sie tatsächlich nicht "wissen", was ein Mensch ist. Der Taucher MUSS dem Hai zu erkennen geben, dass er ihn gesehen hat. Dies geschieht am besten durch ein Zuschwimmen auf den Hai! Zugegeben, dies erfordert stärkere Nerven. Deshalb notfalls auf den Grund - nicht aber an die Oberfläche - schwimmen!

In das Riff zu schwimmen ist gerade die schlechteste Lösung. Das Riff bietet nur trügerische Sicherheit, denn ein Riffhai kann genau dort sein "temporäres Territorium" sehen und es verteidigen wollen. Deckung im Riff zu suchen ist nur empfehlenswert, wenn der Taucher vom Hai noch nicht gesehen wurde. Bei Begegnungen mit Riffhaien ist die bessere Reaktion, weg vom Riff ins freie Wasser zu schwimmen. Anders verhält es sich natürlich, wenn sich nahe am Riff ein Hochseehai, zum Beispiel ein Weisser Hai, nähert. In diesem Fall kann die Flucht ins Riff durchaus angezeigt sein, wenn der Mut des Tauchers nicht ganz ausreicht, um dem Hai entgegen zu schwimmen.



Kommentare?                                        Zurück zur Umfrage

































Gefährliche Hai-Arten

Unfälle mit Makos und Hammerhaien sind bekannt, jedoch so selten, dass sie fast an einer Hand abzuzählen sind. Erstaunlich ist, dass nur 8 % der Befragten Zitronenhaie (Negaprion brevirostris) und 19 % Bullenhaie (Carcharhinus leucas) als "gefährlich" einstufen. Bullenhaie sind wahrscheinlich häufiger für Unfälle mit Menschen verantwortlich als der gefürchtete Weisse Hai. Oft wird bei der Rekonstruktion von Unfällen mit Haien hauptsächlich auf Zahnabdrücke zurückgegriffen. Die Zahnspuren der Oberkieferzähne von Bullenhaien sehen denjenigen des Weissen Hais aber sehr ähnlich. Wenn im Unfallgebiet auch noch Weisse Haie gesichtet wurden, genügt dies oft schon, um den Weissen Hai (Carcharodon carcharias) als Täter zu verdächtigen. Damit tut man möglicherweise sehr vielen Weissen Haien unrecht und unterschätzt gleichzeitig stark die "Gefährlichkeit" des Bullenhais.



Kommentare?                                        Zurück zur Umfrage

































Bedrohliches Hai-Verhalten

Auch bei diesem Themenkomplex wird deutlich, dass die häufig in den Medien und am Stammtisch diskutierten Verhaltensmuster dominieren. Zum Beispiel das "Umkreisen" ist - obwohl in den Medien meist so beschrieben - nicht besonders beunruhigend. Da der Hai wegen seiner Biologie meistens schwimmen muss, ist das Umkreisen sein normales Verhalten bei der Beobachtung eines für ihn unbekannten Tauchers. Am ehesten ein Zubeissen eines Haies ankündigend ist das rhythmische Öffnen und Schliessen des Mauls (sog. Gaping). Bei diesem Verhalten etwa eines Weissen Hais ist grösste Vorsicht geboten. Hierzu ist allerdings anzumerken, dass Haie beim Fressen ihre Kiefer justieren, was ebenfalls durch ein Öffnen und Schliessen geschieht. Schwimmt ein Hai auf und ab, zeigt er damit an, dass er sich in der gegebenen Situation nicht wohl fühlt. Deshalb ist auch bei diesem Verhaltensmuster angemessene Vorsicht geboten.



Kommentare?                                        Zurück zur Umfrage

































Hai-Fütterung

Ich verstehe sehr gut, dass Haifütterungs-Tauchgänge - im Sinne eines teuren, reisserischen und für die Haie oft entwürdigenden Spektakels - bei Tauchern überwiegend keinen Anklang finden. Ich selbst sehe oft schlimme Auswüchse davon und gehe intensiv dagegen an. Allerdings retten solche Tauchgänge auch vielen Haien das Leben! Weil Tauchtouristen dafür viel Geld zahlen, steigt der Wert der beteiligten Haie. Schätzungen auf den Bahamas ergaben, dass ein Hai dort zwischen 10 und 20.000 Dollar (!) im Jahr "wert" ist. Durch die Abschlachtung desselben Tieres würden hingegen gerade einmal 10 Dollar anfallen! Die erkannte "Wertzunahme" der Haie brachte auf den Bahamas ein generelles Verbot der Langleinen-Fischerei auf Haie, es wurden Marineparks eingerichtet und weitere Haischutzmassnahmen verfügt.



Kommentare?                                        Zurück zur Umfrage

































Kommentare? copyright: © getoese.de






Suche: