Sharkproject - Interview

Die Jäger werden zu Gejagten. Ist den Haien noch zu helfen? Ein E-Mail-Interview mit Gerhard Wegner, dem Präsidenten des Sharkproject, einem deutschen e.V., der im September 2002 gegründet wurde.

? Im September 2002 habt Ihr Sharkproject gegründet. Das kostet viel Zeit und offensichtlich auch viel Geld. Beides ist knapp. Was waren also Eure Motive?

! Es gab zwei Auslöser. Der eine war mein 50. Geburtstag und ein damit verbundenes neues Nachdenken über den Sinn des Lebens (smile). Der andere Auslöser war der Unfall von Dr. Ritter, den ich miterlebte, als ich wegen eines Films auf Walkers Cay war. In der Nacht zuvor hatten wir beide lange diskutiert, unter anderem - dass es höchste Zeit wäre, eine Lobby für Haie zu gründen - um die Zeiger kurz vor 12 doch noch anzuhalten bzw. zu verzögern. Dann kam der Unfall am nächsten Tag und viele Emails hin und her - am Ende stand dann die Gründung von Sharkprokect und der Wille, endlich etwas Konkretes zu unternehmen.

? Der wichtigste "Hoffnungsträger" für die Haie ist CITES - das internationale Abkommen, das den weltweiten Handel mit bedrohten Tierarten kontrolliert und regelt. Doch die CITES -Verhandlungen kommen nicht voran, offensichtlich setzen unter anderen die Regierungen von Japan oder Norwegen alles daran, den Artenschutz zu torpedieren. Was kann Sharkproject bewirken, das CITES nicht erreicht?

! Es dreht sich leider alles um Geld - auch im Naturschutz. Das Finnen (Abschneiden der Flossen an freischwimmenden, lebenden Tieren) und die damit verbundene unerbittliche Ausrottung von Haien ist eine der aktuellsten und grausamsten Öko-Katastrophen. Die Lobbyisten der CITES vertreten die Interessen ihrer Länder und nicht die der Tiere. So ist in der Konsequenz, Naturschutz nur auf zwei Wegen möglich:
1. Indem damit Geld verdient wird. Das ist der Fall z.B. beim Hai-Tourismus in Südafrika, der im Endeffekt zum Schutz der Haie dort führte oder
2. durch massiven Widerstand, so wie z.B. der Kampf von Greenpeace um den Erhalt der Wale. Haie haben leider keine Lobby, so wie sie Wale haben. Hier sehen wir unsere Hauptaufgabe. Eine Lobby für ein unverstandenes und missverstandenes Tier zu schaffen. Dazu gehören einerseits Forschungen im Bereich der Hai/Mensch-Interaktionen und andererseits die breite Kommunikation dieser Ergebnisse. Dazu haben wir unsere Internetseite mit aktuell fast 300.000 Serverzugriffen seit September 2002, dazu haben wir bisher rund 5.000 Teilnehmer auf unseren Seminaren und Vorträgen gehabt und Millionen von Kontakten über Print, Funk und TV.

? Gibt es Zahlen- oder Datenmaterial, dass die Bedrohung der Haie belegt?

! Es gibt einiges, aber alles widerspricht sich. Wir gehen heute davon aus, dass weltweit jährlich über 200 Millionen Haie getötet werden. Als Beifang oder ganz gezielt zum Finnen. Dazu muss man auch wissen, dass für die Flossensuppe auf einer chinesischen Hochzeit rund 40 Tiere ihr Leben lassen müssen und der Verkauf von Haiflossen lohnender ist, als der Handel mit Rauschgift.

? Ihr nennt Euch Sharkproject. Seid Ihr eine internationale Organisation oder plant Ihr, das zu werden?

! Wir werden im Oktober eine Botschaft in Österreich gründen, die Schweiz folgt im Frühjahr und ab Sommer 2004 sind wir mit einer Organisation in den USA vertreten. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. So ist z.B. unsere Internet-Seiten seit September ebenfalls schon in englischer Sprache.

? Ihr versteht Euch unter anderem als Initiative zur Erforschung der Haie. Daraus kann man schließen, das zu wenig staatliche Forschungsgelder bereitstehen, um diese Tiere zu erkunden. Was müsste ein Staat wie die Bundesrepublik tun?

! Zunächst mal überhaupt Interesse an Haien haben. Das ist für ein Land wie die Bundesrepublik nicht so einfach. Forschungsgelder bekommen wir heute auch eher aus Australien, den USA und der Schweiz als von der BRD. Wir sind jedoch in Zusammenarbeit mit einigen staatlichen Stellen aktuell dabei, Richtlinien zur Aquarienhaltung von Haien aufzustellen, die vielleicht einmal Standard für die BRD und eventuell die EU werden können.

? Auch beim Thema Korallenbleiche bleiben viele Fragen offen. Das zeigt, dass die Unterwasserwelt selbst in den Bereichen, in denen Sporttaucher sich bewegen, kaum erforscht ist. Wie ist das zu erklären?

! Es ist und bleibt eine fremde Welt, in der wir nur zeitweilige Zaungäste sind. Untersuchungen besonders Langzeituntersuchungen sind extrem schwierig, kaum vergleichbar und es braucht Leute, die es machen und es braucht Leute, die dafür Geld bereitstellen. Eine recht eigenwillige Konstruktion, die es sehr selten gibt.

? Es ist erstaunlich, was Ihr im Internet in der Rubrik "Sharks" bereits zusammengestellt habt. Was ist dort in nächster Zeit noch zu erwarten?

! Wir bauen intensiv unseren Bioteil weiter aus, ab Oktober kommt ein Online-Shop dazu und die Möglichkeit, Spenden direkt per Kreditkarte zu zahlen. Gerade für unsere ausländischen Mitglieder eine echte Erleichterung. Unsere Webmasterin Christine Staacks plant zum Januar einen kompletten Umbau unserer Seiten. Damit soll es noch schneller und attraktiver werden, ins Forum zu gehen, Informationen zu sammeln oder an Inititativen teilzunehmen. Das Internet ist und bleibt unser Haupt-Kommunikationspart und der Ausbau geht permanent weiter.

? Eurem Tagebuch entnehme ich, dass Euer letztes Projekt in Gaansbai stattgefunden hat. Was werden Eure nächsten Projekte sein?

! Im Frühjahr 2004 drehen wir einen Film auf den Kanaren über Engelshaie und sind im Herbst auf Hawaii mit einem Film über Weißspitzen-Hochseehaie. Der aktuelle Film "Language of sharks" kommt ebenfalls im Frühjahr 2004 als DVD, Video und TV-Film. Ebenfalls ab der BOOT kommt unser erstes eigenes Buch "Sprechen mit Haie" mit über 260 Bildern und rund 250 Seiten voller Informationen über die Körpersprache und das Interaktionsverhalten der Haie.

? Ihr gebt Vorträge. Wie kann man Euch buchen? Was kostet das? Kann sich ein Tauchverein das leisten?

! Wir kommen gerne soweit unsere Termine das zulassen. Eintritt pro Person = Euro 10,--. Das Geld geht zu 100% in unsere Projekte. Anfahrt, Spesen etc. bezahlen die Referenten aus eigener Tasche. Es sollten schon zwischen 50 - 100 Leute sein, um unsere Zeit effektiv zu füllen.
Unsere Touren im Frühjahr und Herbst mit Dr. Ritter und mir sind jeweils vor ca. 200-400 Teilnehmern. Wichtig für uns ist jedoch nicht das Geld, sondern das Interesse der Teilnehmer. Jeder der nach einem Vortrag anders über Haie redet, ist ein Gewinn für unsere Lobbyarbeit. Terminwünsche sollten über das Internet angefragt werden. Wir melden uns schnellstmöglichst.

Kontakt: Sharkproject

Sharkproject - Internationale Initiative zum Schutz und zur Erforschung der Haie e.V.
Frankfurter Str. 111b
63067 Offenbach am Main

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