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DIE WAHRHEIT UEBER DAS CORAL BLEACHING
RUNDSCHREIBEN DES TOURISMUSMINISTERIUMS DER MALEDIVEN
VOM 14.12. 1999

INS DEUTSCHE UEBERSETZT UND MIT ERGAENZUNGEN VERSEHEN VON MARY EICHLER
MIRIHI AQUA BASE 23.03.1999

Vieles wird in letzter Zeit ueber das "coral bleaching" geschrieben und gesprochen .
Manche vertreten die Meinung, alle Korallen seien tot – andere wiederum sehen die Situation weniger drastisch.
Einige Annahmen und Vermutungen sprechen sogar von der voelligen Zerstoerung eines der letzten Tauchparadiese der Erde.

Was davon ist nun tatsaechlich wahr und wie ist die aktuelle Situation ?

HINTERGRUND

Korallen sind sehr sensible Organismen, die nur in bestimmten Temperaturbereichen existieren koennen (20 – 30 Grad Celsius ).
Wenn die Wassertemperatur einen bestimmten Wert fuer laengere Zeit uebersteigt, werden die als Symbiose in den riffbildenden Steinkorallen lebenden mikroskopisch kleinen Algen (Zooxanthellen) abgestossen.
Diese Algen sind nicht nur fuer die Farbe der Korallen verantwortlich sondern sie versorgen diese , was noch viel wichtiger ist , mit lebensnotwendiger Nahrung , die wiederum fuer die Kalkbildung und somit das Korallenwachstum notwendig ist.
Als erstes Anzeichen eines Korallenstresses sieht man zunaechst einen beginnenden Farbverlust ( Ausbleichen = "bleaching") der Steinkorallen je nachdem wieviele Algen die Koralle bereits "verlassen" haben.
Wenn die Stresssituation ( zB. hohe Wassertemperatur) ueber laengere Zeit hinweg anhaelt und schliesslich alle Algen die Koralle verlassen haben bleibt das weisse Kalkskelett uebrig und die Koralle stirbt schliesslich an Nahrungsmangel ab.
Je nach Art der Koralle verlassen die Algensymbionten ihren "Wirt" frueher oder spaeter und bei manchen Arten konnte sich der Algenbestand wieder erholen und ergaenzt werden.
Aufgrund der weltweit ansteigenden Temperaturen und des Aufkommens des "El Nino" kam es im Sommer 1998 weltweit zu einer solchen "Stresssituation" der Riffe.
Der Korallenbestand der Malediven war tiefen- und damit temperaturabhaengig unterschiedlich von dieser Stresssituation betroffen und nicht alle Korallen reagierten in gleichen Ausmass auf diese.
"El Nino" werden auch die extrem hohen Wassertemperaturen an der Ostkueste Afrikas zugeschrieben, die 1998 gemessen wurden.
Dieses nie zuvor dagewesene Phaenomen erreichte auch die Malediven gegen Ende Mai 1998 , wodurch die Wassertemperaturen auf 31 Grad und in einigen Regionen sogar noch hoeher anstiegen und ueber laengeren Zeitraum anhielten .
Dies betraf wie gesagt nicht nur das Gebiet der Malediven sondern weltweit fast alle Riffzonen .
All dies fuhrte zu einem globalen Bleichen und teilweisen Absterben der Korallen.
Als zusaetzliche Stressfaktoren koennen Stuerme und die generell zunehmende Verschmutzung der Weltmeere allgemein angesehen werden und das Gesamtbild verschlechtern.
Diese beiden anderen Stressfaktoren kommen gluecklicherweise auf den Malediven so gut wie kaum vor und daher war das Ausmass der Korallenbleiche letztendlich hier noch geringer als in anderen Gebieten der Welt.

DIE MALEDIVEN – EIN KORALLENPARADIES ODER FISCHPARADIES ?

Erfahrene und weitgereiste Freunde des Tauchsportes, die etwa das Rote Meer, die Karibik oder andere Taucherparadiese wie Suedostasien kennengelernt haben, schaetzen das Tauchgebiet der Malediven als ganz etwas Besonderes und Andersartiges.
Der besonders grosse und vielfaeltige Artenreichtum sowie die geringe Scheu der Lebewesen Tauchern gegenueber machen den Tauchsport hier so besonders interessant und abwechslungsreich.
Nur in wenigen Gebieten der Erde ist es moeglich, so gefahrlos und entspannt Begegnungen mit den "grossen" freilebenden Lebewesen der Meere zu erleben wie auf den Malediven.
Weder der Taucher noch das andere Lebewesen werden bei dem Zusammentreffen gestoert oder einer Gefahr ausgesetzt und es sind fantastische Beobachtungen aus naechster Naehe moeglich wie zB. eine Meeresschildkroete beim Fressen, eine Schule von Mantas , die majestaetisch und elegant ueber einer Putzerstation schwebt und den Taucher fast "hautnah" an sich heranlaesst , unvergesslich auch ein Besuch bei den grauen Riffhaien oder eine Begegnung , von der alle Taucher traeumen : das Gefuehl, dem groessten aller Fische – einem Walhai - Aug in Aug gegenueberzuschwimmen !
Auf den Malediven ist all das moeglich und nicht nur selten sondern regelmaessig – fast garantiert !!
Diese absolute Naehe zur Natur in ihrer urspruenglichen Form ist etwas, was die meisten Menschen in ihrem heutigen taeglichen Leben vermissen .
Das mag einer der Gruende sein, warum Taucher immer und immer wieder die Malediven als Reiseziel waehlen und sogar anderen Zielen vorziehen.

Hat nun das "coral Bleaching" Einfluss auf die Fische unter Wasser?

Die Antwort lautet : JA.
Der erste sichtbare Effekt am Riff ist eine Zunahme der Algenbildung speziell an den abgestorbenen Steinkorallen.
Als sofortige Antwort darauf wurde ein vermehrtes Aufkommen von Rifffischen festgestellt , die mit den Algen eine Zunahme an Nahrung vorfanden.
Mit wenigen Ausnahmen konnten Taucher ueberall auf den gesamten Malediven diese Zunahme von Rifffischen (Einzeltiere und ganze Schulen) beobachten – in vielen Gebieten wurde sogar eine verstaerkte Mantasaison gegenueber frueherern Jahren festgestellt.

Die Hauptattraktion der maledivischen Riffe ist also nach wie vor anzutreffen – sogar in verstaerktem Ausmass.

Dazu stehen im Gegensatz Tauchgebiete der Erde, deren hauptsaechliche Attraktivitaet – die bluehende bunte Korallenwelt – verblasst und zum Teil ganz abgestorben ist und wo teilweise auch das Fischvorkommen zurueckgegangen ist.
Die Regierung der Malediven erkennt die unendliche Wichtigkeit , die marine Welt in ihrem Lebensraum zu schuetzen und zu erhalten .
Das Ueberleben aller Ressourcen der marinen Umwelt ist nicht nur im hoechsten Interesse fuer die zerbrechliche kleine Inselwelt selbst sondern auch fuer das Interesse und die Attraktivitaet der Malediven als Reiseziel fuer Touristen und Besucher .
Die Regierung der Malediven hat dem Schutz und der Erhaltung dieser Ressourcen – soweit sie Einfluss darauf hat - die allerhoechste Prioritaet zugeordnet.
Beispiele dafuer sind bereits erlassene Gesetze und Regelungen zum Schutz der marinen Lebewesen wie dem Schutz von Mantas, Stachelrochen, Napoleonfischen, Schildkroeten wie auch ein bestehendes Fangverbot fuer Haie in den Tourismus-Zonen .
Einige Gebiete wurden auch zu speziell "geschuetzten Zonen" ("protected marine areas") erklaert.

POSITIVE GEDANKEN ZUM ABSCHLUSS

Obwohl das "coral bleaching" weltweit 1998 in verstaerktem Ausmass eingetreten ist, ist es jedoch keine voellig neue Erscheinung.
Die Riffe der Malediven sind in einer Aufbauzeit von etwa 60 Millionen Jahren entstanden.
Waehrend dieser langen Zeitspanne gab es weitaus gravierendere Veraenderungen in Temperatur und Hoehe des Meeresspiegels als wir uns heute vorzustellen vermoegen.
Die Korallen haben alle diese Veraenderungen ueberlebt und sogar teilweise Verhaltensmuster oder Reaktionen daraus geformt, um sich an die Veraenderungen anzupassen.
Es gibt keinen Grund , nicht anzunehmen, dass sie auch diese voruebergehende Situation zu bewaeltigen imstande sind – wennauch dies mit einem veraenderten Erscheinungsbild einhergehen wird.
Das ganze Leben selbst besteht aus einer staendigen Veraenderung und Anpassungserfordernis und schlussendlich ist doch die gesamte Evolution mit ihrer Formung der Artenvielfalt ein Resultat dieser nie abgeschlossenen Anpassung.
Schon jetzt sieht man einen Wachstumsschub bei gewissen schnellwuechsige Arten wie zB., Weichkorallen und auch kleine Steinkorallen beginnen sich wieder an Riff festzusetzen.
Positiv sind auch die dereitigen Wassertemperaturen von ca 27 - 29 Grad , bei denen Korallen generell am besten und schnellsten wachsen koennen.
Viele Lebewesen (zB. Riesenmuscheln, Anemonen,…) haben ihre "Algensymbionten" wieder eingelagert und dadurch auch ihre Farbe zurueckerhalten – sie leben nahezu unveraendert wie zuvor.
Fuer die Steinkorallen wird es zwar etwas laenger dauern, aber das gesamte Oekosystem erholt sich bereits SICHTBAR und die natuerliche Regeneration hat laengst wieder eingesetzt.
Das Gesamtbild und die Charakteristik der Korallenlandschaft ist also einer Veraenderung unterworfen, die aber nicht unbedingt ausschliesslich negativer Art ist !
Was tatsaechlich geschehen wird kann kein Mensch vorhersagen und wird die Zukunft weisen – darin ist aber gerade das Wesen der NATUR begruendet .

Maledivisches Tourismus Promotions-Board
14. Dezember 1998

PERSOENLICHE BEMERKUNGEN :

Das Team der Mirihi Aqua Base moechte sich diesen Ausfuehrungen anschliessen und alle Besucher der Malediven dazu auffordern , mit positiven , offenen Augen ans Riff zu gehen und die Anstrengungen und Wunder der Natur zu beobachten, der vergangenen Stresssituation zu begegnen und die jetzt stattfindenden , POSITIVEN Veraenderungen wahrzunehmen.
Das Geschehene war weder zu beeinflussen noch aufzuhalten , jedoch ist es nicht zutreffend und den Riffen und den betroffenen Gebieten auch nicht foerderlich oder hilfreich , Panik oder Katastrophenstimmung zu verbreiten, wie es derzeit in den Medien teilweise veranstaltet wird.
Vielmehr ist es wichtig, sein Wissen um die Zusammenhaenge zu erweitern und sich und andere objektiv zu informieren.

Das Tauchgebiet der Malediven und auch das Schnorchelrevier – gehoert weltweit immer noch zum Attraktivsten, was die Erde uns zu bieten hat !!

Wir selbst sehen bei unseren Tauchgaengen eine grosse Kraft der Regeneration in der Natur und wuerden uns freuen, wenn unsere Gaesten bei den Tauchgaengen Gleiches empfinden koennen.
Viele Tauchplaetze sind nahezu unveraendert prachtvoll , andere haben ihr "Gesicht" tiefenabhaengig veraendert und werden in Zukunft eine weitere Veraenderung erfahren – jedenfalls gibt es Leben unter Wasser in Huelle und Fuelle und wer seine Augen den sensiblen Lebewesen gegenueber oeffnet kann immer noch

DIE WUNDER DES INDISCHEN OZEANS IM GROSSEN UND KLEINEN

auf wunderbare und faszinierende Art und Weise erleben !

Mary Eichler & Steve Stroebel
Mirihi Aqua Base
Maerz 1999

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