Schwammzucht im Mittelmeer


Essener Meeresbiologen wollen unter der Leitung von Prof. Helmut Schuhmacher ein Verfahren zur Zucht von Schwämmen im Meer entwickeln. Viele marine Schwämme enthalten pharmazeutisch interessante Stoffe, von denen einige bereits erfolgreich bei der Tumorbekämpfung eingesetzt werden. Bei dem internationalen Projekt auf Korsika greifen sie auf die Erfahrungen mit elektrochemisch erzeugten Riffen zurück.

"Wenn es uns gelingt, die gesteckten Ziele zu erreichen, wäre dies nicht nur ein Beitrag zur medizinischen Forschung, sondern auch eine Möglichkeit, küstennahe Gewässer für umweltfreundliche Produktionen zu nutzen und neue Arbeitsplätze zu schaffen", kommentiert Prof. Schuhmacher das Vorhaben, das im Februar 2001 starten soll. Die meeresbiologische Abteilung von Dr. Helmut Schuhmacher, Professor für Hydrobiologie an der Universität Essen, hat die Federführung in dem von der Europäischen Union für die nächsten drei Jahren mit 1,2 Millionen Euro geförderten Forschungsprojekt übernommen.

Ziele sind die Entwicklung und Erprobung neuartiger Technologien zur nachhaltigen, umweltfreundlichen Nutzung mariner Rohstoffe. In dem interdisziplinären Projekt "Development of non-degrading, NOvel MArine Technologies for the sustainable exploitation and protection of Mediterranean marine resources" oder "NOMATEC" werden sieben Forschungsinstitute aus vier EU-Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten. Die Essener Meeresbiologen haben jetzt die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit elektrochemisch erzeugten Riffstrukturen am Beispiel konkreter Anwendung in das Projekt einzubringen.

Führt das Projekt zum Erfolg, könnte man bestimmte Schwämme für die medizinische Nutzung züchten und wäre nicht auf das Sammeln dieser am Meeresboden weit verstreut lebenden Organismen angewiesen. Die Schwammzuchtanlage wird mit Hilfe des "ERCON"-Verfahrens (Electrochemical Reef Construction) gebaut, welches die Meeresbiologen seit vielen Jahren im Roten Meer, Ägypten, erforschen und weiterentwickeln. Ein anderes Teilgebiet des Projektes ist der Entwicklung eines Verfahrens zur Rehabilitation von geschädigten Seegraswiesen gewidmet. Die Seegrasbestände sind die Kinderstuben vieler mariner Lebewesen und spielen eine Schlüsselrolle in der Ökologie der Küstengewässer des Mittelmeeres.

Neben der ökologischen Funktion besteht daher auch ein erhebliches wirtschaftliches Interesse, diese einzigartigen Lebensräume zu erhalten. Auch bei der Lösung dieses Problems will man sich des ERCON-Verfahrens bedienen. Für die Freilandversuche arbeiten die Wissenschaftler mit der Forschungsstation STARESO bei Calvi auf Korsika zusammen. Das ist für Essener Meeresbiologen die Fortsetzung einer seit vielen Jahren bewährten Kooperation; die Station diente ihnen bereits als Standort bei den ersten Versuchen zur Schaffung von künstlichen Riffen. Das Projektmanagement für NOMATEC, dessen Konzept die Gutachter durch die vollständige Kette der Wertschöpfung von der Grundlagenforschung bis hin zur Endverarbeitung in der pharmazeutischen Industrie beeindruckte, hat Peter van Treeck übernommen. (idw)

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