Kein erhöhtes Schlaganfall-Risiko


Kann Tauchen das Schlaganfallrisiko erhöhen? Offenbar waren diese und ähnliche Vermutungen in den letzten Jahren immer öfter in der neurologischen Fachliteratur aufgetaucht. Eine Forschergruppe der Neurologischen Uni-Klinik in Kiel legte jetzt eine Untersuchung vor, die Entwarnung gibt: "Tauchen beeinträchtigt die Hirnfunktionen bei Einhaltung der Sicherheitsregeln nicht."

Kann das Berufs- und Hobbytauchen tatsächlich zu gesundheitli-chen Schäden führen? Nach Ansicht einer Kieler Forschergruppe sei in den letzten Jahren in der neurologischen Fachliteratur immer öfter auf die Gefahren des Tauchens - darunter auch Zustände mit schweren Schlaganfallsymptomen - hingewiesen worden. Um weitere Erkenntnisse zu sammeln, führten Prof. Günther Deuschl, Direktor der Klinik für Neurologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, und seine Arbeitsgruppe drei Jahre lang in Kooperation mit der Uni-Klinik für Radiologische Diagnostik (Prof. Dr. Martin Heller) und dem Schifffahrtsmedizinischen Institut der Marine in Kronshagen (Dr. Eycke Bettinghausen) Untersuchungen zu diesem Thema an 50 Versuchspersonen durch. Darunter 25 Berufstaucher der Bundeswehr und eine gleiche Anzahl von Soldaten, die selbst nicht tauchen. Das Ergebnis: "Wer sich an die bisher bekannten, teilweise strengen Sicherheitsregeln hält, ist als Taucher nicht mehr gefährdet als andere Sportler auch." (Neurology, 12. Dezember 2000)

Die Ergebnisse zeigten, so Prof. Deuschl, dass bei den Tauchern neurologische Ausfälle nicht häufiger auftreten als bei der nicht-tauchenden Kontrollgruppe. Gleiche Ergebnisse gab es bei den gezielten bildgebenden Untersuchungen des Gehirns. Dazu wurden alle 50 Taucher und Nichttaucher zusätzlich mit der hochsensitiven Kernspintomographie auf Schlaganfallfolgen untersucht. Auch hier ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Tauchern und Nicht-Tauchern.

Prof. Deuschl stellt in der gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeit fest: "Wir schließen aus dieser Untersuchung, dass Tauchen ein sicherer Sport ist!"

Voraussetzung sei aber, dass die Sicherheitsregeln, die bei der deutschen Marine gelten, beachtet werden:

  • Insbesondere müssen niedrige Tauchtiefen angestrebt werden, und für jede gewählte Tiefe müssen die Regeln für sicheres Tauchen beachtet werden.


  • Das Auftauchen muss entsprechend den Sicherheitsregeln sehr langsam erfolgen. Nur so kann den eventuell im Blut gebildeten Luftbläschen Gelegenheit zur Auflösung gegeben werden.


  • Zwischen zwei Tauchgängen müssen lange Pausen eingehalten werden.


  • Vor einem Flug sollte mindestens 24 Stunden nicht mehr getaucht werden.

Die schweren neurologischen Ausfälle, von denen andere Untersu-chungen berichten, sind nach Prof. Deuschls Ansicht wahrscheinlich dadurch entstanden, dass die bekannten Tauch-Regeln nicht eingehalten wurden. Eine mögliche Ursache für die schweren, schlaganfallähnlichen Störungen mag auch darin begründet liegen, dass viele Taucher kurz nach den Tauchgängen ins Flugzeug steigen, um nach Hause zu fliegen. Durch den Unterdruck im Flugzeug können die gefürchteten Luftbläschen im Blut sogar erst beim Fliegen in großer Höhe auftreten. "Dieses Risiko muss durch entsprechend lange Wartezeiten nach dem Tauchen (mindestens 24 Stunden) unbedingt vermieden werden", so Prof. Deuschl weiter.

Die beteiligten Institute in Kronshagen und an der Neurologischen Klinik der Christian-Albrechts-Universität bieten für interessierte Sporttaucher tauchmedizinische Beratung an. Ansprechpartner:

Prof. Günther Deuschl
Klinik für Neurologie der Christian-Albrechts-Universität
Kiel
Fax: 0431 597-2712
E-Mail: g.deuschl@neurologie.uni-kiel.de

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