Druckkammer-Behandlung

Die Druckkammer-Behandlung nach Tauchunfällen wird üblicherweise nicht von Krankenkassen übernommen. Als einen "Rückfall in die Steinzeit" bezeichnet der Taucharzt Dr. van Laak diese Regelung vom Juli 2000. Doch noch gibt es Hoffnung: Der entscheidende Prozess vor dem Landessozialgericht Essen steht an.

Eigentlich setzt Sporttauchen "Nullzeit-Tauchgänge" als selbstverständlich voraus. Eigentlich. Doch im statistschen Mittel ereignet sich täglich ein entsprechender Tauchunfall, schätzt der Taucharzt Dr. Ulrich van Laak. Genaue Zahlen gibt es nicht, sagt van Laak, Direktor von Divers Alert Network (DAN) Europe und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin e. V. (GTÜM). Deko-Unfälle müssen nicht gemeldet werden.

Immerhin: Rund 350 mal im Jahr überschreiten Taucher die Nullzeiten, halten sich nicht an die dann erforderlichen Dekostopps, oder "poppen" - aus welchen Gründen auch immer - mit risikoreicher Aufstiegs-Geschwindigkeit an die Oberfläche.

Zu allem Leid kommt seit Sommer letzten Jahres auch noch eine saftige, oft mehrere tausend Mark teure Rechnung für die Druckkammer-Behandlung hinzu.

Welche Therapie von den Kassen bezahlt werden muss, darüber entscheidet der "Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen". Und er hat im letzten Jahr beschlossen, die "Hyperbaren Sauerstofftherapie nicht für die Vertragsärztliche Versorgung anzuerkennen."

"Für Patienten nach einem Tauchunfall, z. B. nach einem Dekompressionszwischenfall mit leichten neurologischen Ausfällen, der bislang am Sonntagnachmittag im nächstgelegenen ambulanten Druckkammerzentrum schnell und endgültig behandelt werden konnte, bedeutet der Beschluss den Rückfall in die medizinische Steinzeit", kritisiert Dr. van Laak die Mitte Juli 2000 in Kraft getretene Regelung.

Zwar konnte durch eine vor Gericht erwirkte Einstweilige Verfügung die Regelung rückgängig gemacht werden. Bei Tauchunfällen wurden wieder per Einzelfallentscheidung - die meisten positiv - die Kosten für die Hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT) in einer der etwa 100 deutschen Druckkammern übernommen. Doch die Einstweilige Verfügung ist wieder aufgehoben. Nun geht der Streit in die letzte Runde, vor das Landessozialgericht Essen.

Van Laak wirkt nicht gerade optimistisch, wenn er sich zu den Erfolgschancen äußert. Grundätzlich sollte jeder Taucher seinem Rat folgen und sich schleunigst entsprechend absichern. Ob bei DAN oder über einen Tauchclub, der dem VdST angeschlossen ist oder mit einer anderen Versicherung

Geht es nur um Geld? In seiner Argumentation bezweifelt der Bundesausschuss sogar die Wirksamkeit der Druckkammer-Behandlung. Und isoliert sich damit in Fachkreisen. Denn zum Beispiel für Berufs- und Militärtaucher gelten weiterhin die alten Vorschriften: "Eine Druckkammerbehandlung muss unmittelbar möglich sein, sonst dürfen Taucheinsätze nicht stattfinden", sagt Dr. van Laak.

Weitere Informationen:

Deutsche Gesellschaft für Tauch- und
Überdruckmedizin e. V. (GTÜM)


Divers Alert Network (DAN)

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